Wenn wir darüber nachdenken, wie wir den Umgang mit KI im Unterricht vermitteln wollen, liegt es nahe, beim Prompting zu beginnen.
Prompting bedeutet schlicht: KI um etwas bitten. Jedes Mal, wenn wir eine KI nach etwas fragen, geben wir ihr einen Prompt.
Viele Menschen klagen mir gegenüber, dass KI ihnen nichtssagende, langatmige oder schlicht unbrauchbare Antworten liefert. Was sie dabei oft übersehen: Schlechte Ergebnisse entstehen meist durch schlechtes Prompting.
Das Wort klingt technisch, meint aber nichts anderes als eine klare Anweisung an die KI. Wer etwas in ChatGPT oder Gemini eintippt, gibt bereits Anweisungen – und deren Qualität entscheidet darüber, was zurückkommt. Ein durchdachter Prompt hilft der KI, den Kontext, den Zweck und die Erwartungen zu verstehen. Ein vager Prompt überlässt ihr das Raten.
Und hier liegt ein entscheidender Punkt für den Unterricht: Unsere Schülerinnen und Schüler nutzen KI bereits. Wenn wir ihnen nicht beibringen, wie man sie gut einsetzt, werden sie es deshalb nicht lassen – sie werden es nur schlecht tun.
Sie müssen verstehen: KI spiegelt zurück, was wir ihr geben. Wer oberflächlich fragt, bekommt oberflächliche Antworten. Wer mit Tiefe, Kontext und klarer Absicht formuliert, erhält Antworten auf demselben Niveau.
So unterrichte ich das Prompting
Die einfachste und wirkungsvollste Struktur für Einsteiger ist das Rolle-Aufgabe-Format-Prinzip. Es ist das Prinzip, das ich täglich selbst anwende – und das sich in der Praxis bestens bewährt hat.
Rolle: Gib der KI eine Rolle. Beginne mit „Du bist ein …" oder „Agiere als …". Das gibt ihr den Rahmen, innerhalb dessen sie arbeiten soll.
Aufgabe: Sag ihr genau, was sie tun soll. Formuliere Zweck und Ziel klar und unmissverständlich.
Format: Erkläre, wie die Antwort aussehen soll. Ein Fliesstext? Eine Tabelle? Stichpunkte? Für eine sechste Klasse oder einen Abiturjahrgang?
Wer dieser einfachen Struktur folgt, verabschiedet sich von ungenauen Zufallsanfragen und gewinnt eine klare, strukturierte Kommunikationsweise. Je präziser Schülerinnen und Schüler ausdrücken können, was sie brauchen, desto besser kann die KI darauf eingehen.
Dabei gilt: Gutes Prompting setzt Fachwissen voraus. Wer viel über ein Thema weiss, kann auch präziser fragen. Das ist ein weiterer Grund, warum Wissen in einer KI-Welt nach wie vor unverzichtbar bleibt.
Warum ist Prompting so wichtig?
Das Bild, das ich meinen Schülerinnen und Schülern oft vor Augen halte, ist folgendes:
Stell dir vor, du sollst einen Text übers Segeln schreiben. Irgendwie ginge das schon – aber du hättest wahrscheinlich Fragen. Wer liest das? Erscheint es in einer Zeitung, einem Lehrbuch oder als YouTube-Skript? Soll der Ton sachlich oder locker sein? Schreibst du für Zehnjährige oder Fünfzehnjährige?
Ohne diese Informationen musst du raten. Das Ergebnis wird vage und womöglich am Ziel vorbeigehen. Mit klaren Angaben zu Rolle, Aufgabe und Format hingegen entsteht etwas Fokussiertes und Wirksames.
Genauso funktioniert KI. Je mehr Klarheit und Kontext sie bekommt, desto besser arbeitet sie. Gutes Prompting ist kein technischer Trick – es ist präzises Denken, das in präzise Sprache gefasst wird.
Das Wesentliche in einem Satz
Gute Prompts entstehen aus klarem Denken. Wer der KI eine Rolle, eine Aufgabe und ein Format vorgibt, lenkt sie zu Antworten, die treffsicher, nützlich und dem eigenen Verständnis angemessen sind.
Fragen zum Weiterdenken
- Bringen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern bereits bei, KI gezielt und reflektiert zu befragen?
- Könnten Sie das Rolle-Aufgabe-Format-Prinzip mit Beispielen aus Ihrem Fach veranschaulichen?
- Liesse sich Prompting als eine Form des Kompetenznachweis einsetzen – als Möglichkeit, fachliches Verständnis zu demonstrieren?

Kommentar schreiben